Es ist ein echtes Mammutprojekt, das die Stadt Marktheidenfeld gemeinsam mit ihrer Kernstadtfeuerwehr 2019 in Angriff genommen hat: der dringend erforderliche Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Marktheidenfelder Nordring.

Vor etwas mehr als einem Jahr – im Dezember 2018 – waren die ersten schweren Baumaschinen auf den Feuerwehrhof des alten Feuerwehrhauses gerollt. Mit dem offiziellen ersten Spatenstich hatten die Marktheidenfelder Bürgermeisterin Helga Schmitt-Neder und die stellvertretende Landrätin Sabine Sitter Mitte März den Start des Neubaus eingeleitet. Ende 2019 sind nun die Rohbauarbeiten am Hauptgebäude der Feuerwache abgeschlossen.

Neubau soll Einsatzkräfte und Nachwuchs fördern

Bei einer Führung durch den nackten Beton- und Steinbau ist es offensichtlich, dass der Chef der Marktheidenfelder Feuerwehr, Bernhard Nees, stolz auf das im vergangenen Jahr geleistete ist. Zwar haben er und das Planungsteam der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Stadt Marktheidenfeld selbst nicht die Wände in die Höhe gezogen, jedoch trägt das Betonskelett eindeutig die Handschrift zahllosen Stunden ihrer Frei- und Arbeitszeit. Und weil der Rohbau auch zu Hause immer wieder Thema ist, sind auch die Töchter aus dem Hause Nees zum Rundgang gekommen. Denn auch die Marktheidenfelder Realschulzeitung soll demnächst umfassend zum Großprojekt „Feuerwehr“ informieren. Dabei ist klar: der Neubau ist nur einer von vielen Arbeitspunkten der freiwilligen Helfer.

Der wohl größte Besonderheit begegnen wir direkt am Eingang vom Nordring aus: hier ist bereits alles für den späteren Behindertengerechten Eingangsbereich vorbereitet. Denn das Feuerwehrhaus soll – wie auch sein Vorgängerbau schon –eine externe Nutzung ermöglichen. Daher wird ins Obergeschoss mit Mehrzwecksaal und Besucher-Teeküche auch ein Aufzugsschacht führen.  Dieser dient gleichzeitig zum Materialtransport aus den verschiedenen Lager- und Arbeitsbereichen der drei Stockwerke. Hauptzweck des großen Saales im Obergeschoss werden jedoch die regelmäßigen Schulungen und Sitzungen der aktiven Einsatzkräfte sein. Neben der öffentlichen Feuerwehr sowie dem Feuerwehrverein wird die Jugendfeuerwehr der Hauptnutzer des Obergeschosses sein. Erstmals soll ein eigener Jugendraum dazu beitragen, den Feuerwehrnachwuchs zu späteren Einsatzkräften auszubilden, für die Arbeit der Feuerwehr zu begeistern und bei der Stange zu halten.

Moderner Neubau setzt geltende Normen um

Im Erdgeschoss, und damit auf Höhe des Nordringes, warten Kleiderkammer, Kommandanten- und Vereinsbüro sowie der Lagerbereich der Fahrzeugwerkstatt auf ihren Innenausbau. In der Werkstatt selbst sollen zukünftig Hebebühne und Deckenkran die Wartung und Instandhaltung aller Marktheidenfelder Feuerwehrfahrzeuge ermöglichen. Neben der obligatorischen Waschhalle befinden sich im „Untergeschoss“, und damit auf Höhe des zukünftigen Feuerwehrhofes, die Atemschutzwerkstatt mit Kompressor- und Füllraum für Atemluftflaschen, die Schlauchpflege sowie ein Palettenlager für Einsatzmaterialien, wie sie beispielsweise für Unwettereinsätze vorgehalten werden. Wie in modernen Feuerwehrhäusern üblich, soll ein Schleusensystem nicht nur den Stadtteilfeuerwehren den unkomplizierten Austausch von Einsatz- und Schutzausrüstung ermöglichen, sondern auch mittels Schwarz-Weiß-Trennung die geltenden Hygienerichtlinien umsetzen.

Im Bereich des Spind- und Umkleideraumes freuten sich die Einsatzkräfte besonders auf die zukünftigen Sanitärräume mit Duschen für die ehrenamtlichen Männer und Frauen. Bis heute ist es immer wieder eine umständliche und oft unschöne Situation, wenn den verschwitzen und nach Bränden ggf. sogar mit Brandrauch kontaminierten freiwilligen Helfern – vor allem während der Arbeitszeit – nicht einmal eine Dusche zur Verfügung stehe. Nach der Fertigstellung des Neubaus werden den Einsatzkräften auch erstmals die vorgeschriebenen getrennten Umkleideräume für männliche und weibliche Kräfte zur Verfügung stehen.

Den mit Abstand größten Teil des Neubaus nehmen jedoch die beiden Fahrzeughallen ein, die natürlich das Herz eines jeden Feuerwehrgerätehauses ausmachen: in L-Form sind die von Stadt und Landkreis veranschlagten 14 Stellplätze angeordnet. Die Haupthalle hat neun Stellplätze und ist unterhalb des Straßenniveaus parallel zum Nordring angeordnet. Weitere fünf Stellplätze bieten parallel zur Karbacher Straße beispielsweise Platz für das Mehrzweckboot sowie die Abrollcontainer zur Abwehr von Ölunfällen auf Gewässern. Zwischen den Fahrzeughallen befindet sich ein Funkraum mit angebautem Bereitschaftsraum, der bei größeren Schadenslagen, wie beispielsweise Unwettern, als Lagezentrum genutzt wird.

Feuerwehr auch im Krisenfall einsatzbereit

Noch nicht abgeschlossen ist derzeit der Rohbau des Nebengebäudes. Neben dem charakteristischen Übungsturm wird auch ein Salzsilo für den städtischen Bauhof untergebracht sein. Eine Notstromanlage in Verbindung mit der geplanten Holzpelletheizung wird dafür sorgen, dass die Feuerwehren Marktheidenfeld zukünftig auch in Krisenfällen für ihre Bürger sowie das Umland einsatzfähig bleiben können.

Nach dem für Anfang 2020 geplanten Richtfest in der Karbacher Straße, startet der Innenausbau unter Leitung des beauftragten Architekten. Nach dem bisherigen Verlauf der Abriss- und Rohbauarbeiten zeigt sich die Feuerwehrführung optimistisch, dass der für Mitte 2021 geplante Umzug aus der Interimslösung gehalten werden kann.